13. August 2026
Vorwärts immer, rückwärts nimmer!
Der Unterschied zwischen defizit- und potentialorientierter Begleitung von Azubis
In der Begleitung von Azubis gibt es zwei Stile, zwei Perspektiven: die rückwärtsgewandte und die vorwärtsgewandte Perspektive. Der Unterschied liegt vor allem darin, worauf die meiste Energie in der Ausbildung bzw. der Ausbildungsbegleitung verwendet wird.
Die rückwärtsgewandte Perspektive
Die rückwärtsgewandte Perspektive stellt sich auf den Standpunkt von Erwartungen und Ansprüchen. Aus dieser Perspektive werden dann Azubis beurteilt: Erwartungen werden nicht erfüllt, Ansprüchen aus Berufspraxis und/oder -schule wird nicht genügt. Der Blick ist dabei in die Vergangenheit und nach unten gerichtet. Eine häufige Reaktion ist dann folgende Feststellung: „Aber der Azubi muss doch! Früher ging es doch auch!“ Der Azubi muss können, muss wissen, muss ein bestimmtes Verhalten zeigen.
Nach der Feststellung kommt die Schuldfrage! Dafür wird häufig erstaunlich viel Energie aufgewendet. „Warum kann das der Azubi nicht? Haben die Eltern in der Erziehung versagt? Ist die Berufsschule das Problem? Taugt der Azubi überhaupt für den Beruf? Oder ist das Lehrangebot im Betrieb nicht gut?“ Egal, welche Antworten man hier finden mag, sie werden das Problem nicht lösen. Zurück bleibt „Aber der Azubi muss doch!“, womöglich gepaart mit Pauschalisierungen (Stichwort: GenZ & GenAlpha) oder Ablenkungen (Stichwort: Smartphone & Social Media).
Die vorwärtsgewandte Perspektive
Die vorwärtsgewandte Perspektive stellt sich dagegen auf den Standpunkt der realen, aktuellen Kompetenzen und Herausforderungen des Azubis und fragt mit dem Blick nach vorn und oben nach den Zielen (u.a. die guten, alten Ansprüche!), aber auch nach den Interessen und Talenten, nach den Ressourcen des Azubis. Diese Perspektive fragt vor allem danach, was es braucht, um diese Ziele zu erreichen. Wohlgemerkt, keine Erleichterung durch Aufweichung professioneller Anforderungen, sondern eine an die Ressourcen und Herausforderungen des Azubis angepasste Unterstützung.
Ohne Schulddiskussion gibt es auch keine Beschämung, aus Defiziten wird Potential, und so entsteht Raum für die Bedürfnisse aller Beteiligten. Es entsteht Raum für Vertrauen und Sicherheit, was absolut notwendig ist, damit Azubis sich ihren Herausforderungen stellen, sie sich und anderen „eingestehen“, um dann im nächsten Schritt nach Lösungen zu suchen und sich ggf. Unterstützung zu holen.
Die Alternative bei rückwärtsgewandter Begleitung ist übrigens das Vortäuschen von Kompetenz bzw. die Vertuschung von Unsicherheit und Inkompetenz: Raten von Antworten, drauf-los-Handeln ohne Rückfragen, nachträgliches Kleinreden von „Irrtümern“, die aber möglicherweise erheblichen Schaden verursacht haben, Vermeidung von Gesprächen, Ablehnung von Feedback.
Vorwärtsorientierte Mathematik-Lernbegleitung
Meine Mathematik-Lernbegleitung ist ausdrücklich vorwärts- und bedürfnisorientiert. Es spielt keine Rolle, wann man was gelernt oder gekonnt haben müsste und warum das zu dem Zeitpunkt nicht geklappt hat. Jede Suche nach Unterstützung, jedes offene „Eingeständnis“ des Nichtkönnens würdige ich als Wunsch sich zu entfalten und als Anstrengung, hohen beruflichen Anforderungen gerecht zu werden und in seinem Beruf „ein Guter“ zu werden. Wer nicht weiß und fragt ist vielleicht nicht zu dumm oder „müsste längst wissen“, sondern versteht, was er nicht versteht und möchte es verstehen. Wie in der Mathematik, so auch in allen anderen Bereichen der Ausbildung.
Vorsorge ist besser als Nachsorge
In diesem Sinne werden bei mir keine „Defizite (aus der Vergangenheit) beseitigt“, sondern „Potential (für die Zukunft) entfaltet“. Und in diesem Sinne ist meine Lern- und Erfolgsbegleitung keine Nachhilfe, die einspringt und Feuer löscht, wenn die sprichwörtliche Kacke längst am Dampfen ist! Wenn der Azubi bereits zwei Abmahnungen wegen regelmäßiger Verspätungen oder Vernachlässigung des Berichtshefts kassiert und auf dem Zeugnis einen Haufen Fünfer stehen hat. Wenn bei allen Beteiligten längst Frustration herrscht über das Nicht-Gelingen in der Vergangenheit statt der Neugier und Vorfreude auf das Gelingen.
Meine Lern- und Erfolgsbegleitung unterstützt Azubis am besten am Anfang ihrer Ausbildung. Sie entwickeln eine vorwärtsgewandte, selbstbewusste – über sich selbst bewusste – Haltung, um eigene Herausforderungen zu erkennen, Lösungen zu suchen und sich dabei ggf. Unterstützung von geeigneten Partnern zu holen.
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